Logbuch 2013

Messolonghi April 2013

 

Ein letztes mal mit dem Auto und der Fähre nach Messolonghi / Griechenland, um einige Arbeiten durchzuführen. Gar nicht so einfach bei den vielen Teilen.

Wasserpass anheben, Antifoulinganstrich, Rumpf wachsen und polieren, das neue erworbene AIS Gerät installieren, alle Winschen auseinander bauen, reinigen, wieder einfetten und zusammenbauen. Ohne die professionelle Hilfe von Thomy hätte ich das sowieso niemals hin gekriegt. Allein das Antifouling hat eine gute Woche in Anspruch genommen. Kupplung an der Ankerwinsch erneuert, die Genua und das Groß wieder angeschlagen, am Außenborder den neuen Benzinhahn montiert und den Stoppknopf erneuert und vieles meh .

 

Im nu waren 6 Wochen vorbei, sodass ich gar nicht mehr zum Segeln gekommen bin und Anfang Juli wieder nach Hause fuhr. Aber was soll’s, bin heuer ja schon im März mit Ralf seiner Osiris von Malta nach San Remo gesegelt und im Herbst fahre ich ja schon wieder zur Maringa.

MARINGA am Bock
MARINGA am Bock
Ein Marterl eines Verunglückten
Ein Marterl eines Verunglückten
Der Strand, Anchovies in der Taverne von Nico in Messolonghi
Der Strand, Anchovies in der Taverne von Nico in Messolonghi
Einzelteile einer Winsch
Einzelteile einer Winsch
Thomy zerlegt den Außenborder
Thomy zerlegt den Außenborder
Osterfeiertage in Messolonghi
Osterfeiertage in Messolonghi
Einer der größten Feiertage in Messolonghi: Befreiung vom Osmanischen Reich.
Einer der größten Feiertage in Messolonghi: Befreiung vom Osmanischen Reich.



September/Oktober 2013

 

Heute, am 04.09. 2013 schon morgens um 03:30 UHR aufgestanden. Ruth bringt mich verschlafen zur S – Bahnstation Daglfing/Flughafen. Der Flieger von Air China geht bereits um 06:55. Mindesten 10 Stewardessen in weinroter Uniform kichern und feixen, machen x Fotos mit ihren Handys. Richtig nette und fröhliche Mädels, wie in einer Schulklasse. Ein junger Angestellter kommt auf mich zu und fragt, ob ich alleine reise und bittet mich mit zu kommen. Anhand meiner Bordingcard tippt er pausenlos in seinem Computer und händigt mir eine neue Bordingcard aus.

 

Die große Überraschung an Bord: Mein Sitzplatz befindet sich in der Businessclass. Elektrisch verstellbare Sitze, Mindestabstand zum Vordermann gute 2 Meter, die Füße kann man bequem gegenüber auflegen, wie auf einer Strandliege. Kaum habe ich mich mit der Mechanik vom Sitz vertraut gemacht, kommt eine schon wieder eine freundlich lächelnde Stewardess und packt mir ein Paar knallrote Hausschuhe aus. Kaum bin ich dabei etwas Schlaf nach zu holen, werde ich von der nächsten Stewardess in eine wärmende Decke eingehüllt. Das Essen anschließende Essen wieder hervorragend.

 

Ausgeruht und gesättigt landen wir pünktlich in Athen. Den Zubringerbus X93 finde ich ohne langes suchen, der soll mich nämlich zur Busstation im Stadtteil Liason bringen , Fahrzeit ca. 1 Stunde. Leider gibt der etwas altersschwache Bus nach eine 3/4 Stunde Fahrzeit den Geist auf, nichts mehr geht, alles aussteigen und auf den nachfolgenden Bus umsteigen. Der jedoch hält nach einer weiteren 1/2 Stunde irgendwo in der Athener Altstadt, guter Rat ist teuer. Vom Fahrer und den Fahrgästen ist leider nichts zu erfahren und so steige ich beim nächsten Stopp aus und nehme mir ein Taxi, das mich innerhalb von 10 Minuten für 5 € zur Busstation bringt. In der Station durchfragen, wo ich die Tickets nach Messolonghi bekomme. An einem der vielen Schalter werde ich fündig und kaufe mir das Ticket für 23,90 €. Ein vollklimatisierter Mercedes Bus bringt mich nach drei Stunden Fahrt um 17:30 in die Innenstadt von Messolonghi.

 

In der Marina angekommen, erst einmal eine herzliche Begrüßung und eine Radlerhalbe. MARINGA liegt schön brav einige Meter entfernt an ihrem Platz. Wie nicht anders zu erwarten, ist sie wieder gagerlgelb vom Saharasand aus Afrika. Thomy hat in meiner Abwesenheit die Gangway abgebaut um sie zu reparieren. Ich ziehe also MARINGA an der Festmacherleine heran und springe rüber. Jetzt bin ich angekommen .

MARINGA am Steg
MARINGA am Steg


Flamingos in der Lagune. Eines der größten Feuchtgebiete Europas.


Mit der großen Reisetasche 21kg rüber zu springen ist nicht ratsam, also genehmige ich mir noch eine zweite Radler und überlege. Das Nachbarboot ein Italiener, hat am Steg ein Brett liegen und scheint nicht anwesend zu sein. Also leihe ich mir das Brett aus und bringe meine Sachen sicher an Bord. Es ist inzwischen 22:30 UHR und es hat immer noch 28°C im Boot. Noch eine Dusche und dann ab in die Koje, morgen ist auch noch ein Tag und es wartet eine Menge Arbeit auf mich.

 

05.09.2013

 

Thomy von der Tochyda aufgesucht, Frühstück im Cafe, 2 Stunden mit dem Hochdruckreiniger MARINGA vom Saharasand befreit, Logge eingebaut. Sämtliche Splinte und Schäckel durchgesehen, Kartenplotter und Instrumente überprüft. Vorschiff aufgeräumt und die Tauchausrüstung nach vorne verlagert, um im Stauraum unter der Sitzbank mehr Platz für den Wein und einige Biertragerl bekomme. Motor Probestart, springt ohne Murren sofort an und läuft schön rund. Alles im Allem eine schweißtreibende Arbeit bei immerhin 38°C im Schiff.


Mittwoch 11.09.2013


Um 07:00 UHR Morgens in Messolonghi ausgelaufen und um 12:00 Mittags in der Bucht der Insel Oxia Anker fallen. 18 sm gefahren, die Hälfte unter Segel. Barometer 1021, Wassertemperatur 31°C.

Um 19:30 in die sichere Bucht Limin Petalas verholt. Kurz nach dem passieren des Leuchtfeuer Akra Aspro eine Schildkröte überfahren. Hat einen ordentlichen Schlag gegeben und eh ich versah war sie schon weit hinter meinem Fahrwasser. Hoffe sie hat den Kopf eingezogen und dass ich sie nicht verletzt habe. Nach dem dritten Ankermanöver nochmals ein kurzes Bad und ab in die Koje.

Schildkröte im Hafen vom Monemvasia
Schildkröte im Hafen vom Monemvasia


Donnerstag 12.09.2013 Limin Petalas

 

08:30 Anker auf, Barometer 1018, Wind 2 – 3 Beaufort aus SW – W, also nicht ideal für mich, denn nach Westen 271 °, Insel Ithaka möchte ich ja. Also nochmals meine Runde um’s Boot gedreht, frisch rasiert, sollte ich in Ithaka an Land gehen. Mit mir liegen etwa 10 weitere Boote in der Bucht. Nach einer Weile kommt mir eine Fähre der Minoas Superfast entgegen und im gleichen Abstand von 1,5 sm ein Frachter. Den Frachter empfange ich auf dem Bildschirm von meinem AIS, dagegen von der Fähre nicht, seltsam ?

 

13:30 UHR nach 18 sm Anker fallen in meiner Lieblingsbucht Ak Skhoinos auf Ithaka. Hier liege ich eigentlich immer alleine, höchstens mal 2 oder 3 Yachten. Nun aber 5 Boote, davon ein Krachmacher, Motorboot mit lauter Musik, die über die ganze Bucht zu hören ist. Sonst war hier immer eine himmlische Ruhe, nur Vogelgezwitscher und das Zirpen der Zikaden. Nun wurde die Bucht auch zum Ufer hin für Badegäste abgetrennt, wodurch ich den Anker bei einer Tiefe von 12 Metern ausbringen muß .

13.09.2013 Ithaka

 

Schreck in der Morgenstunde: Obwohl ich mein iPhone über Nacht aufgeladen habe, war nach zwei Stunden bereits der Akku wieder leer. Hat das Ladegerät nicht funktioniert? Erneut laden, gleiches Resultat. Gut, dass ich immer mein gutes, altes Siemenshandy als Reserve dabei habe. Simkarte austauschen und ich bin wieder mobil. Wie abhängig man inzwischen von einem Handy ist, früher genügte eine Postkarte. Mein Laptop hat mich trotz neuen Akku ebenfalls in Stich gelassen, gut dass ich ein neues Spielzeug gekauft habe: Ein nagelneues iPad. 18:00 Uhr, die Bucht hat sich bis auf meinem Nachbarn geleert. Koche mir mein obligatorisches Gulasch und schwimme im Badewannenwarmen Wasser von 31°C

 

12.09 Abends gegen 21:30 UHR in der Bucht auf Ithaka

 

Bin gerade etwas eingeschlafen, das Gulasch war einfach köstlich, wie immer, da werde ich durch weit entferntes Grollen wach und schon zeichnen sich die ersten Blitze in noch weiter Ferne ab. Ein Engländer und kurz danach ein Grieche machen Anker auf, die haben wahrscheinlich den Wetterbericht gehört, was mir auch nicht geschadet hätte.


Nur noch ein Schwede liegt hinter mir in der Bucht und während ich am überlegen bin ,raus fahren oder mehr Kette stecken, fallen bereits die ersten Böen mit 35 bis 40 Knoten den Berg herunter. Mehr Kette bringt mir nichts, außer dass ich gefährlich Nahe ans Ufer komme. Die Böen kommen mit einer unwahrscheinlichen Wucht den Berg herunter und der Schwell steht direkt in die Bucht. Wohin jetzt? Draußen dürfte ein ziemliche Welle stehen, wieder zurück zur Südspitze von Ithaka? Nein, dann lieber raus und in einem Rutsch durch bis Meganisi nach Spilia. Also Maschine an, Kartenplotter und GPS einschalten und raus aus der Mausefalle.


Der Anker ist klar, zurück zum Steuerstand und mit langsamer Fahrt raus aus der Bucht. Am Plotter ist jedoch noch das Tageslicht eingeschaltet und das blendet mich derart, dass ich den Autopilot einschalte und mit beiden Händen immer wieder den Bildschirm abdecke. Gottseidank ist die Einfahrt zur Bucht sehr breit und tief. Draußen setze ich etwas vom Groß und fahre die Genua ganz aus und so wird es eine relativ gemütliche Überfahrt nach Meganisi, wo ich am Morgen gegen 03:00 UHR in der hinteren Bucht vor Anker gehe. Um mich herum schwimmen immer wieder ein paar Besoffene, die bis in die Morgenstunden grölen und lärmen.


Um 08:00 UHR wollte ich dann an den Kai der Taverne gehen, der Wirt aber lehnt ab, ich sollte lieber vor zum Port Spilia gehen, da starker Nord – West zu erwarten ist und es dann hier ungemütlich und unsicher werden kann.

 


13.09.2013 Port Spilia

 

Mein alter , schon vertrauter Bacib kurvt schon mit seinem Roller an, zu erkennen an seiner roten Mütze und weißt mir mit seiner laut übers Wasser dröhnenden Stimme einen Platz zu. Wie immer bekomme ich einen Platz am Gemeindekai zugewiesen, dort ist es bei Nordwind ruhiger als an den Schwimmstegen. Neben mir liegt eine Griechin mit Ihrem Boot, die genauso gut englisch wie ich spreche. Zum Schluß haben wir uns trotzdem glänzend unterhalten und das meiste davon auch verstanden.

 

14.09.2013 Porto Spilia

 

Dieser Tag wird mir als mein schwärzester Tag in mein Seglerdasein im Gedächtnis hängen bleiben. Der Gemeindekai wurde inzwischen mit Strom und Wasser versorgt. Voriges Jahr war das noch heillos durcheinander Gewirr von Stromkabeln, die alle Augenblick durchgebrannt sind .

Durchgeschmorrte Stromkabel in Spilia
Durchgeschmorrte Stromkabel in Spilia

Jetzt kommt jeden Morgen ein Gemeindediener, kassiert den Strom und bietet einem Trinkwasser an. Normalerweise lege ich bevorzugt immer mit dem Heck am Kai an, da die Lücke aber sehr eng war, hat mich Babic mit dem Bug zum Kai eingewiesen und das muss der Grund gewesen sein, dass ich vor lauter lass mich auch noch mit, den Einfüllstutzen zum Wassertank mit dem Dieseltank verwechselt habe. Mit dem Heck voran befindet sich der Wassertank auf der Backbordseite und der Dieseltank auf der Steuerbordseite. Da ich aber mit dem Bug voran eingeparkt habe, ist es natürlich genau verkehrt herum.


Meinen als Skipper unverzeihlichen Fehler bemerkte ich ers , als ca. 25 Liter Wasser geflossen sind und aus dem Überlaufventil eine gelbe Brühe schoss. Was ist zu tun? Erst einmal in die Taverne zu Babic, ein Bier und noch eins. Es war Sonntag, wen kann ich um Hilfe bitten oder was ist da überhaupt noch zu retten? Dass mir mein Volvo Motor das Wasser – Diesel Gemisch sehr übel nehmen wird, war auch mir ”technischen Wildsau” klar. Nach dem dritten Mythos blätterte ich erst einmal Adressen durch und blieb bei meinem Freund Klaus aus Korfu hängen. Wie gewohnt hatte ich Klaus sofort in der Leitung, was bei Klaus selbstverständlich ist, auch an einem Sonntag. Ruf doch einmal den Fritz in Nidri an, der kann Dir bestimmt weiter helfen.


Fritz, ein alter Mechaniker aus Österreich arbeitete lange Zeit auf einer Werft Nidri und wohnt jetzt auf einem alten, selbst ausgebauten Stahlsegler. Fritz war sofort am Telefon, er würde mir ja gerne helfen, nur wie soll er von Nidri nach Spilia kommen, er besitzt leider nur ein Moped. Das war mir allerdings auch klar, dass er mit einem Moped nicht übers Wasser fahren kann. Er wird sich was überlegen und ruft mich zurück, während ich mir das dritte Mythos leistete.


Nach nicht einmal einer knappen Stunde klingelt mein Handy, ja hier ist der Fritz ,ich stehe vor Deinem Boot, wo bist du denn? Das steht nun der Fritz, mit einer Handpumpe, ein paar Schläuchen in einem gemieteten Motorboot und lacht, ich soll mir keine Sorgen machen, das bekommen wir schon wieder hin. Er raucht erst einmal eine und läßt mir die Backskiste ausräumen. Inzwischen klärt er mich auf, dass Wasser schwerer als Diesel ist und sich an der untersten Stelle des Tanks sammelt und von dort will er das Wasser absaugen. Tatsächlich saugt er nach ca. 30 Liter Wasser Dieselgemisch nur noch reinen Diesel an. Motor starten, läuft ohne Stottern. Jetzt noch ein Mythos bei Bacib und ein Essen für Fritz, das war’s.


Fritz hat mindestens zwei Stunden am Schiff gearbeitet und für die Hin-und Rückfahrt auch noch einmal mindestens 1 Stunde benötigt. ”Die große Rechnung”: Für das Boot muss ich 40 € bezahlen und für mich auch noch einmal 40 €, ob ich damit einverstanden wäre. Am liebsten wäre ich Fritz um den Hals gefallen, legte noch ordentlich was drauf und bedankte mich nochmals herzlichst für so eine großzügige Hilfe. Ich bleibe noch zwei weitere Tage und warte auf besseres Wetter.


Es hat inzwischen heftig zu regnen angefangen und draußen bläst es mit 5 – 6 Beaufort . Ich sehe mit gemischten Gefühlen den Tag entgegen , an dem ich noch durch den Kanal von Lefkas fahren muß , nicht auszudenken , wenn der Motor Mitten im Kanal dann doch noch streikt .


17.09.2013

 

Ich wage es. Um 10:00 Leinen los, Bacis hilft mir noch etwas, schiebt den Bug nach Backbord, damit ich aus der Lücke komme. 2 – 3 Meter hinter mir liegen quer die anderen Boote an der Mooring. War nicht anders zu erwarten, dass ich an zwei Moorings mit dem Kiel hängen bleibe, letztendlich aber doch darüber weg komme.


Vorbei an der Insel Skorpios ( früher im Besitz des griechischen Reeders Aristoteles Onassis , heute gehört sie der Tochter des russischen Düngemittel – Tycoons Dimitri Rybolowlew ) tauchen die ersten Tonnen zur Kanaleinfahrt auf. Meine Nerven sind angespannt und zur Beruhigung fange ich zu singen an. Bisher lief jedoch der Motor reibungslos und hat kein einziges mal gestottert. Ich habe alle Vorkehrungen getroffen, Anker klar gemacht, Festmacherleinen ausgebracht, komme nun was kommen soll, ich kann es dann auch nicht mehr ändern. Aber, wie haben es geschafft und laufen in die halbleere Lefkas Marina ein, wo mir nach einigen Stunden Dieter von Raymarine über den Weg läuft , Dieter hat vor zwei Jahren meinen Kartenplotter repariert.

Dieter von der Raymarine in Lefkada
Dieter von der Raymarine in Lefkada

Der Preis für den Liegeplatz in der Marina pro Tag € 30,50, da kann man nicht meckern.

Abends finde ich in einer Seitengasse eine sehr nette, unverfälschte Taverne und lasse mir den vorzüglichen gegrillten Oktopus schmecken. Als Nachspeise wunderbare, selbstgemachte Mandeltrüffel.


Am nächsten Tag wollte ich zum Italiener am Ende der Lagune und nochmals seine wunderbaren Frutti di Mare essen, leider, schon nach einem Jahr haben die Wirtsleute wieder dicht gemacht und sind zurück nach Düsseldorf. Inzwischen hat mich Ruth angerufen, Sie würde gerne für eine Woche dem scheußlichen Wetter in München entfliehen und für eine Woche an Bord kommen. Entweder würde Sie nach Corfu kommen, oder in Vieste / Italien zusteigen. Wir entschließen uns für Corfu, so komme ich nicht mit der Zeit in Bedrängnis und muss nicht bei jedem Wetter nach Italien übersetzen .

Bevor ich jedoch wieder auslaufe, lass ich noch vom Paleros Yacht Service einen Dieselfilter wechseln und die Steuerkette nachziehen. Den Service kann ich übrigens bestens empfehlen, schnell, korrekt und preislich im Mittelfeld.

19.09.2013 Lefkada

 

Ich beschließe am Donnerstag das letzte kritische Stück im Lefkaskanal hinter mir zu bringen.

Das Teilstück von Lefkas Hafen bis zur Ausfahrt hat es nochmals in sich. Genaues navigieren ist angesagt, vor allem nicht zu nah an die roten Bojen kommen. Viele machen den Fehler und halten sich viel zu nahe an den Bojen, um an der Steuerbordseite nicht auf die Sandbank zu gelangen und laufen dabei prompt auf.


05.30 UHR den Wecker gestellt, Kaffee den ich immer Abends zuvor zubereite und in der Thermoskanne warm halte. 06:15 UHR Leinen los, langsam steuere ich in den Hafen, dreh noch eine Runde und befinde mich Punkt 07:00 vor der Brücke, die sich auch pünktlich öffnet. Hinter mir noch ein Fischer, der mich noch vor der ersten Schleife überholt, ansonsten bin ich das einzige Fahrzeug an diesen Morgen. Inzwischen ist es auch hell geworden.


Ca. 50 Meter vor der Sandbank ein plötzliches Rumpeln und Rattern im Schiff, nein das kann doch nicht wahr sein, der Motor ist doch bis jetzt einwandfrei gelaufen, kurz vor dem gefährlichsten Teil muß er streiken? Jetzt wohin, die Fahrt die noch im Schiff ist mit nehmen und bei einem Fischer der am Kai liegt versuchen Längsseits gehen. Ich leg schon das Ruder um, schalte nochmals vor und zurück und siehe da, der Motor läuft rund und das rumpeln im Schiff ist auch weg. Ich drehe mich um und sehe im Heck eine riesige Plastikplane schwimmen , die sich durch das Rückwärtsdrehen der Schraube wieder gelößt hat. Mir zittern etwas die Knie als ich langsam an der Sandbank vorbeigleite. Wahrscheinlich ziehe ich die Dinger automatisch an, denn es vergeht kaum eine Saison, in der ich mir nicht irgendein Plastik oder einen Tampen in der Schraube einfange.


So erst 2011, Mitten im Golf von Korinth, Abends gegen 21:00 UHR bei guten 25 Knoten Wind und 2 Meter Welle. Seither habe ich auch immer eine Unterwassertaschenlampe griffbereit im Cockpit. Sichtlich erleichtert schnaufe ich tief durch, als ich offenes und tiefes Wasser erreiche. Nach 2 nm setze ich Segel, 10 bis 15 Knoten Wind aus Ost lassen mich gemütlich voran kommen. Um Höhe zu gewinnen, segle ich bis Akra Mitikas und gehe dann erst auf Kurs Paxos . Nach 20 nm schläft dann auch der Wind ein und ich fahre unter Maschine weiter. Kurz vor Paxos taucht ein großer Schwarm von Delfinen auf, mindestens an die 30 Tiere, so viele habe ich in Griechenland noch nie erlebt, nur einmal, bei der Überfahrt von Dubrovnik nach Otranto waren es an die 100 Stück und das stundenlang.


Wir Seefahrer sind ja sehr abergläubisch und so hoffe ich , dass meine Pechsträhne allmählich nachläßt. Um 13:30 gehe ich in der Bucht Lakka auf Paxos vor Anker , die bereits um diese Zeit schon gut belegt ist .

19.09.2013 in der Bucht von Lakka auf Paxos

 

Am Spätnachmittag Anker fallen, wo ich bis zum 26.09. bleiben werde, bevor ich Ruth in Lefkas abhole. Lesen, schnorcheln im türkisblauen Wasser, wenn die Flotillensegler weg sind. Abends in meine Stammtaverne, am Rückweg zum Dinghi noch in die Fischerkneipe, Emails schreiben und Nachrichten auf dem iPad ansehen.


Am letzten Tag, Spätnachmittag, ich döse so vor mich hin, plötzlich eine kreischende Frauenstimme und kurz darauf einen ordentlichen Rums in meinem Boot. Ich stürme an Deck und bevor ich so richtig registriere was los ist, fährt ein Engländer schon wieder einige Meter entfernt von mir weiter. Der ist mir doch tatsächlich beim Rückwärtsfahren in meine Breitseite gedonnert. Das Pärchen aber fährt seelenruhig weiter und beginnt erneut ein Ankermanöver. Ich schnappe mir den Fotoapparat und fahre zu den Beiden rüber. Die sitzen im Cockpit , jeder ein Glas Sekt in der Hand und prosten sich zu. Als ich näher komme, bewaffnet sich die Lady mit einem Bootshacken und sieht mich herausfordern an. Natürlich streiten die Beiden alles ab, sie wären von meinem Boot noch meilenweit entfernt gewesen und von einem Zusammenstoß sei schon überhaupt gar keine Rede. Ein Nachbar aus Leverkusen hat aber den Vorgang beobachtet und hat sich als Zeuge zur Verfügung gestellt. Ich hab’s dann sein lassen, nachdem ich an meinem Boot keine Schäden feststellen konnte, warum sich ärgern . Die Beiden sind mir übrigens in Gouvia beim Tanken nochmals über den Weg gelaufen, wo sich dann der Skipper bei mir entschuldigte .

 

Dieser Törn hat es in sich.

 

In Spilia , wo ich blödsinniger weise Wasser statt Diesel tanke, der Laptop geht nicht , trotz neuen Akku , somit funktioniert auch der Drucker nicht . Der Außenborder verliert Benzin durch einen Riß im Tank . Bei meinem iPhone ist der Akku kaputt. Das alte Siemenshandy funktioniert auch nicht mehr, das Mikro gibt keinen Ton mehr von sich und im Lefkaskanal bekomme ich noch eine Plastikplane in die Schraube.


20.09. Gouvia Korfu

 

Bekomme einen guten Platz zugewiesen, auch der Preis für den Liegeplatz ist akzeptabel.

 

Hier auf Korfu entschließe ich mich dann auch, nicht mehr nach Italien zu gehen, sondern hier in der Marina zu überwintern. Ruth hat sich kurzfristig entschlossen, eine Woche ab den 01.10. an Bord zu kommen.

So würde es Mitte Oktober werden, bis ich mich auf den Weg nach Italien machen kann, nur um dort das Boot den Winter über in Vieste liegen zu lassen. Von Otranto nach Vieste sind es nochmals gute 180 sm, bei vorherrschenden NW Winden. So verbringe ich einige schöne Tage in Gouvia in Harrys Taverne und treffe mich jeden Abend mit lieben Freunden Klaus / Birgit sowie Ralf und Pia.


Bei der Segelmacherin Astrid erkundige ich mich über den Preis für neue Fenster im Sprayhood, die sie im Frühjahr neu einnähen wird . Ruth kommt dann auch wie vereinbart , wir bleiben noch zwei Tage in Gouvia und segeln dann runter nach Paxos, wo wir einige Tage vor Anker in der Lakka Bucht verbringen werden. An der Südspitze von Korfu wird es dann etwas windig, offene See mit 6 Beaufort von Westen und eine ordentliche Welle lassen Ruth nicht mehr sehr gesprächig werden. Maringa und mir aber macht es ordentlich Spaß und so laufen wir am Spätnachmittag in die Bucht.Hier auf Paxos verbringen wir noch ein paar schöne, sonnige Tage. Das Wasser hat immer noch sommerliche Temperaturen und ein Tag ist schöner wie der andere. Ruths Flieger geht am 07. meiner am 08. Oktober.


Zum krönenden Abschluß passiert mir nochmals ein großer Patzer. Im Internet finde ich einen supergünstigen Direktflug für 159,00 € den ich natürlich sofort buche. Erst bei der Auftragsbestätigung fällt mir auf, dass ich einen Flug von München nach Korfu gebucht habe und nicht umgekehrt. Ruth kann aber von Deutschland aus alles rückgängig machen und ich bekomme auch noch einen Flug am 08.Oktober, allerdings kein Schnäppchen, einfacher Direktflug zu 328,00 €. Am Abend zuvor nochmals einen schönen Abend bei Harry mit Birgit und Klaus verbracht, bei inzwischen strömenden Regen und nicht mehr ganz sommerlichen Temperaturen.

Ruth, etwas schwächelnd
Ruth, etwas schwächelnd
Birgit mit Sohn und Klaus
Birgit mit Sohn und Klaus
Harry in seiner Taverne
Harry in seiner Taverne
Pia und Ralf von der SY Estrella
Pia und Ralf von der SY Estrella

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Kommentare: 1
  • #1

    Lila Denk (Montag, 06 Februar 2017 02:44)


    It's going to be finish of mine day, except before ending I am reading this enormous paragraph to increase my know-how.