Überführungstörn mit der OSIRIS B einer Moody 63

01.März 2013 

 

Das Wetter auf Malta war angenehm, ca. 14 – 16°. Abends in einer netten, urigen Kneipe noch was gegessen und Proviant eingekauft. Wenn am Schiff alles in Ordnung ist, wollen wir am nächsten Tag in See stechen.

 

 

Lavetta 03.März 2013

 

Das neue Sturmsegel angeschlagen. Wir wollen es ausprobieren und fahren Nachmittag aus der Marina. Das Sturmsegel steht gut,der Wind optimal und schon sind wir einige Meilen von Lavvetta entfernt und so entschließen wir uns gleich weiter zu segeln mit Ziel Siracusa auf Sizilien. Hatten die ganze Nacht hindurch kräftigen Wind,angenehme Temperaturen und die Osiris läuft bei 5-6 Knoten Wind aus SO ihre 8 Knoten über Grund.

 

Da passiert es mir doch tatsächlich. Nach über 40 Jahren in denen ich nun segle ist es mir noch nie passiert. Ich werde seekrank und kotze zu meiner Überraschung wie ein echtes,seekrankes Crewmitglied über die Reling. Ich war davon selbst so überrascht,dass ich lauthals lachen mußte und der verdutzten Crew das freudige Ereignis mitteilte. Danach ging es mir wieder glänzend. Nach 80 Seemeilen ankern wir Morgens um 02.00 UHR in der geräumigenn Bucht von Siracus.

Noch ein Anlegerbierchen und ab in die Koje.

Position 37° 7,3’N 015° 18,7’E

 

Siracus 04.März 2013 

 

Anker auf um 09:00 Uhr Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen. An Steuerbord kurz vor Augusta ein gestrandeter Frachter. Muß noch ziemlich frisch sein, da noch keinerlei Anzeichen von Rost vorhanden. Liegt da mit Schrägseite wie ein gestrandeter Wal. In der Ferne im Dunst der schneebedeckte Ätna in Sicht.


Der hat die Kurve nicht ganz gekriegt.
Der hat die Kurve nicht ganz gekriegt.

Ralf und ich in einer gemütlichen Kneipe

 

Taormina 04.März 2013

 

Vorbei am Ätna in der Bucht von Taormina gegen 18:00 Anker fallen. Noch schnell in’s Dingi, die Füße vertreten, Proviant und Bier einkaufen und in einer gemütlichen Taverne unter Heizstrahlern zu Abend gegessen. Es gibt hervorragende Spagetthi Fongoli und Schwertfisch in Zitronensauce. Wir begeben uns frühzeitig wieder an Bord um morgen rechtzeitig auszulaufen. Eile ist geboten, der Wetterbericht über Kurzwelle verheißt nichts Gutes. Ein ausgedehntes Tief aus SO mit Windstärken 7-8 Beaufort sind angesagt. Die brauchen wir nicht unbedingt in der Straße von Messina.

Position 38° 13,1’N 015° 14,5′ E


05. März 2013

 

Wir fahren mit bis zu 8 Knoten und 3 Meter Welle in die Straße von Messina, werden von der Küstenwache angefunkt und nach unseren Schiffsdaten gefragt. Im AIS wurden versehentlich die Länge ,Breite und Tiefgang gelöscht. Die Küstenwache beordert uns auf die Nordseite der Straße zu gehen um einen Frachter passieren zu lassen. Der Wind nimmt zu und steigert sich in Böen auf 50 bis 55 Knoten. Das Sturmsegel mit 26 qm und das Groß mit höchstens 15 qm läßt uns schwere Lage schieben. Wasser kommt über den Süll und teilweise tauchen wir bis zu den Relingfüßen ein.

 

Kurz vor Milazzo suchen wir am Strand eine Windabdeckung und gehen vor Anker auf 6 Meter,ablandiger Wind. Der Sturm entwickelt sich im Laufe der Nacht zu einem ausgewachsenen Orkan mit Windspitzen von 71 Knoten, das sind 11 Beaufort. An Schlaf ist nicht zu denken, alle Crewmitglieder sind in Halb-Acht-Stellung. Die Osiris zerrt an ihrer 13 mm Kette und wird vom Wind, trotz ihrer 32 Tonnen wie ein Spielzeug hin und her gedreht.

 

Morgens um 03:00 ist es dann so weit, der Anker ist ausgebrochen. Unendlich langsam kommt der Anker über die Winsch, Ralf hat die Maschine gestartet. Ringsherum nur noch fliegendes Wasser. Da die letzten paar Meter, was hängt da am Ankergeschirr? Etwas langes, schwarzes, im Durchmesser einen 1/2 Meter. Haben wir eine Leiche von der Maffia am Hacken? Der Wind treibt uns gottseidank vom Ufer weg und ich lasse den Anker immer wieder rauf und runter um die Leiche los zu werden.

 

Endlich schwimmt das Gebilde an Steuerbard Achtern. Also das Geschirr jetzt hoch und nicht wie zurück ins Cockpit, genug geduscht. Was hängt da schon wieder im Geschirr? Ein Armdickes Tau. Nein nicht schon wieder. Das gleiche Spiel von vorne,nach unendlich langer Zeit werde ich auch dieses Ding wieder los. Die Windböen drücken uns ohne einen Fetzen Segel bis zur Relingsmitte unters Wasser. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir endlich eine größere Bucht mit einer Ölraffinerie, davor liegen einige Öltanker vor Reede. Anker raus, schlafen bis 10:00 Uhr. Am nächsten Tag verholen wir uns in den Hafen von Milazzo wo uns 137 € für einen Tag Liegegebühren abgeknöpft wurden. In Milazzo die scheußlichsten Spagetthi gegessen.

Position 42° 24,1′ N 011° 12,7’E

 

09.März 2013

 

Gestern aus Milazzo ausgelaufen: Überfahrt war wieder sehr stürmisch bis 42 Knoten und hoher Welle. Trotz des hohen Freibords auf der Osiris wurden wir wieder ordentlich geduscht. Sind gestern an unsere Grenzen gestoßen, einfach zu wenig Schlaf und Ruhe im Schiff. An Schlaf war nicht zu denken, die Schiffsbewegungen waren einfach zu heftig. Hab mich in voller Montur auf den Boden gelegt, zwischen dem Navitisch und Liege eingeklemmt um einigermaßen ruhig zu liegen und nicht immer einen Kopfstand machen zu müßen.

 

Morgens um 06:00 UHR in Porto Ercole, nördlich von Rom festgemacht. Dort hat sich Gerd und Moritz auf die Heimreise begeben. Ralf und ich bleiben die Nacht über, schlafen, essen gehen und Proviant einkaufen. Gegenüber liegt die Insel Giglio wo das Wrak der Costa Concorde liegt. Im Vorbeifahren konnten wir regen Schiffsverkehr beobachten und die hellerleuchtete Unglücksstelle. Morgen wollen wir weiter Richtung Elba.

Position 42° 22,7′ N 011° 5,1’E

 

Blauer Himmel, 18 Knoten Wind. An Backbord die Insel Giglio, von weitem sieht man zwar die Stadt, nicht aber das Wrak der Concordia. Ist auch besser so, Seeleute sind abergläubig. So kann es heute weitergehen bis zu unserem nächsten Etappenziel Portoferraio auf Elba.

Position 42° 47,1’N 010° 31,7′ E

 

Elba empfängt uns Regenverhangen. Baro fällt im Minutentakt. 


Das muß man ihr lassen. Fahrt macht sie ordentlich.
Das muß man ihr lassen. Fahrt macht sie ordentlich.


11. März

 

Im Hafen finden wir eine nette, marokkanische Kneipe in der wir hervorragend essen, noch dazu ganz moderate Preise. Abends früh in die Koje, denn am nächsten Tag erwarten wir wieder Starkwind bis zu 10 Beaufort am Cap Corse.

Position 42° 55,2′ N 010° 2,7′ E

 

07:45 UHR Anker auf und Kurs auf Cap Corse. Wir müßen uns beeilen, denn der Wetterbericht hat erneut gegen Nachmittag 8-10 Beaufort vorhergesagt. So auch starke Gewitter. Wir hoffen, dass wir nah am Cap vorbei kommen ohne Starwind, ansonsten müßten wir einen weiten Schlag Norden machen und dann unter der Küsten hart am Wind weiter quälen. Mal sehen wie es am Kap aussieht.

Position 43° 4,3’N 009° 39,4′ E

 

Capraia, eine ehemalige italienische Gefangeneninsel vor einer Stunde passiert. Sehr abweisend und schroff. Nur wenig grün, eisenerzhaltiges Gestein. Nicht mal eine einzige Möwe zeigt sich am Himmel. Inzwischen hat uns auch unser kleiner Vogel wieder verlassen. Er hatte sich vor zwei Tagen hinter der Glastüre versteckt.

Position 43° 32,1′ N 008° 21,8’E

 

Noch 46 sm nach San Remo.Super gelaufen, immer mit 7-8 Knoten Fahrt über Grund. Nur am Cap Corse mußten wir wir reffen und das Sturmsegel setzen, obwohl wir das Cap in einem Abstand von 10 sm gerundet haben. Durch die hohen Berge bis zu 2000 Meter entsteht hier eine starke Düse.

 

12.März

 

Eine gute Stunde noch, die Lichterkette von San Remo voraus. Wir gehen in der Bucht vor Anker und fahren erst Nachmittags in die Marina San Stefano.

Position 43° 42,0’N 007° 20,1’E

 

Heute in der Bucht von Beaulieu noch gut zum Essen gegangen. Morgen sollten wir sehen das wir hier weg kommen. Im westlichen Mittelmeer sind schwerste Stürme zu erwarten mit Wellenhöhen bis zu 10 Meter, das berichtet soeben Meteorfrance im Navtex. Marina Santo Stefano de Mare nach 759 sm festgemacht.

 


13. März

 

Im westlichen Mittelmeer bläst es derweil in Orkanstärke und 10 Meter hohe Welle. Ein ausgewachsener Wintermistral. Die hohe Dünung ist sogar hier in der geschützten Küste noch zu spüren. Das war wieder einmal ein sehr schöner, anspruchsvoller Törn. Am 20 April geht es wieder Richtung Griechenland, zu meiner geliebten MARINGA. Die ist zwar um 10 Meter kürzer, aber doch sehr schnuggelig.



Kommentar schreiben

Kommentare: 0