2014 von Korfu nach Kas in der Türkei

3.Mai 2014

 

In Korfu gelandet, noch schnell zu Harry etwas essen und danach tot müde in die Koje. Am folgenden Tag Getriebeöl überprüft. Motor laufen lassen, ob die Schraubendichtung an der Ölwanne dicht ist. So weit scheint alles in Ordnung, Birgit hat MARINGA an Decktop gereinigt.

Am Unterwasserschiff ist ein ziemlich starker Bewuchs, Taucher organisieren, Kosten 120€, hat aber seine Arbeit bestens gemacht, Spritersparnis ist auch nicht zu verachten bei sauberen Unterwasserschiff.

 

Mit Birgit zu Lidl gefahren, Proviant einkaufen, vor allem Bier, Wein und Wasser. Alle Lichter überprüft, Splinte an den Wantenspanner, Bilgenpumpe, Kompass und Plotter funktionieren einwandfrei, Außenborder springt sofort an, könnte also los gehen. Zuvor aber noch in Harrys Taverne.

 

Landanschluß am Steg
Landanschluß am Steg

Für Strom und Wasser. Die Steckdose hängt immer noch heraus, nicht repariert.

Typisch Griechisch eben, so wie ich die Marina im Oktober verlassen habe, so finde ich es eben im Mai 2014 auch wieder vor. In sieben Monaten hat man ja keine Zeit die defekte Steckdose zu reparieren.


09.Mai 2014

 

Klaus hat heute 50ten Geburtstag, der natürlich entsprechend gefeiert werden muß. Mit dabei Pepe der Spanier aus Gibraltar.


Ihr gehört Pepe
Ihr gehört Pepe
Klaus ist 50 geworden
Klaus ist 50 geworden

Pepe
Pepe
Bei Klaus Zuhause
Bei Klaus Zuhause


Gouvia 13 Mai 2014

 

Inzwischen ist auch Heinz eingetroffen, alle Arbeiten sind erledigt, Proviant an Bord, so entschließen wir uns auszulaufen, wenn auch an einem 13ten, wo doch Seeleute so abergläubig sind, fehlt nur noch das es an einem Freitag ist. Es läuft aber alles ganz harmonisch und so gehen wir am Spätnachmittag in der Bucht Lakka auf der Insel Paxos vor Anker. Schnell noch das Beiboot ( Hörmi ) klar gemacht und an Land in meine Lieblingstaverne zu Astolios.

Meine Lieblingstaverne in der Lakkabucht


14 Mai 2014 

 

Gegen 01:00 Morgens werde ich wach, starke Fallböen mit bis zu 28 Knoten. Gegen  03.00 UHR driften zwei Boote auf uns zu, eines Haarscharf am Bug vorbei, das andere mit seiner Steuerbordseite. Die Crew springt am Deck umher, eine Frau schreit hysterisch, halb nackt und fuchtelt mit der Taschenlampe umher. Eine 1/2 Stunde später tutet wieder der Engländer neben uns in sein Horn, ein Franzose treibt vorbei. Endlich gegen 03:00 UHR setzt Regen ein und ein Gewitter ein, der Wind wird weniger und wir können uns nochmals in die Kojen legen.

 

14.Mai Sonnenaufgang in Lakka

 

Mit Sonnenaufgang Anker auf, Kurs auf das Festland in den kleinen, aber feinen Fischereihafen Ligia. Der Wind und Seegang nimmt ständig zu, inzwischen an die 30 Knoten und mich beschleicht ein mulmiges Gefühl. Die Hafeneinfahrt ist bei Welle und Starkwind nicht ganz ungefährlich und die Wellen haben jetzt eine Höhe bis zu 2 Metern erreicht, noch dazu genau von Westen. Die Einfahert ist gerade mal an die 6 Meter breit, links und rechts liegen Felsen gerade mal etwas unterm Wasser. Um die Einfahrt zwischen den Felsen zu erwischen, muß ich genau von Süden aus in die Einfahrt fahren. Hinzu kommt das im Hafen maximal nur an die drei bis vier Yachten Platz finden. Ein Freund von mir ist dort 2012 aufgelaufen.

 

Heinz steht vorne am Bug und versucht die Felsen ausfindig zu machen. Ich habe ein Auge auf den Plotter und dem Echolot. Bei  2,70 Meter ziehe ich die Füße ein, gib Gas und wir sind durch. Im Hafen eine Lücke zwischen einem Fischer und einem Segler, könnten wir rein passen. Ehe ich aber noch überlege, erfasst uns erneut eine Böe und treibt mich auf die Mooring einer Yacht. Wir haben wieder Glück und die Schraube bleibt frei. Ein erneuter Anlauf und wir sind drinnen.

 

MARINGA zerrt bei jeder Bö an ihren Festmacher, egal was wir anstellen, Spring und drei Festmacherleinen, ich habe bei jeden Ruck Angst um meine Klampen. Entnervt geben wir auf und begeben uns in das Restaurant, das nur Fisch auf der Speisekarte anbietet. Wir lassen es uns schmecken. An ein Auslaufen am nächsten Morgen ist nicht zu denken und so gehen wir etwas am Strand spazieren .


16 Mai 2014

 

Der Wind hat sich beruhigt, Leinen los, Kurs 157° Richtung Lefkas. Wenig Wind, aber noch eine sehr hohe Dünung von den vergangenen Tagen. Kurz vor der Kanaleinfahrt rauscht die Genua aus. Günther hat mal wieder eine seiner Spezialknoten fabriziert und so erreichen wir gerade noch rechtzeitig die Brücke bevor sie wieder schließt und wir eine weitere Stunde warten müßten. Im Kanal entschließen wir uns  gleich weiter bis nach Spiglia auf der Insel Meganisi zu fahren wo uns schon von Weiten Babic mit seiner roten Mütze und roten Moped in Empfang nimmt und uns wie gewohnt einen Platz am Pier zuweist und so liegen wir wieder neben dem mir bekannten Belgischen Ehepaar, das bereits seit mehr als 15 Jahren hier etliche Monate verbringt.


Bei Babic in Spiglia


Samstag 17.Mai 2014

 

Am Stadtkai von Messolonghi festgemacht, wo wir uns mit alten Bekannten treffen. Thomy von der Tochida, Klaus und Dagmar von der Ruck-Zuck.

Wiedersehen im Marina Cafe in Messolonghi
Wiedersehen im Marina Cafe in Messolonghi

Sonntag 18.Mai 2014

 

Im Hafen Kyline am Peleponnes fest gemacht . Strom und Wasser direkt am Kai kostenlos . Außer uns nur noch ein Engländer . Am Abend kommt der Kapitano und bittet uns in sein Office . Viel Papier für Liegegebühren von gerade mal 3,50 €

Montag 19.Mai 2014

 

Bei guten Wind, 3/4 der Strecke mit 5-6 Knoten gelaufen und auf die unbewohnte Insel Strophadis vor Anker gegangen. Auf der Insel gibt es ein Kloster, in dem aber nur noch ein Mönch lebt. Abends als wir abgelegt haben, konnten wir ein schwaches Licht sehen. Die Insel selbst und das Kloster fand ich eher etwas abweisend. In der Bucht wie beschrieben zum Ankern über Nacht völlig ungeeignet. Wir haben deshalb beschlossen, vor dem Kloster zu Ankern, Ankerwache zu halten und um Mitternacht weiter nach Pilos zu segeln. Um 17:00 UHR Diesel aus dem Reservekanister abgefüllt, starken Kaffee gekocht und in der Thermosflasche abgefüllt, dazu zum Abendessen eine Nudelsuppe mit Würstchen. Heinz legt sich schlafen und ich übernehme die erste Ankerwache.

19.Mai Insel Strophades

 

22:00 UHR Hab es mir etwas bequem gemacht und dadurch prompt eingeschlafen, bis ich durch lautes Quacken und Piepsen wach werde. Vögel können das keine sein, es ist längst dunkel, Mönchsrobben vielleicht? Ich leuchte mit der Taschenlampe und sehe rings um das Boot etliche Delfine oder Schweinswale schwimmen. Der Wind hat aufgefrischt, so gehen wir Anker auf und beschließen nicht bis Mitternacht zu warten. Mit etwas Wind, gerade so viel das die Genua stehen bleibt segeln wir ganz gemütlich durch die sternklare Nacht.

 

Dienstag 20.Mai

 

Um 07.30 Marinakai in Pilos festgemacht. Die Marina in Anführungszeichen, immer noch so verlottert wie das letzte mal als ich hier war. Wasseranschlüße verrostet und verkalkt wie Eiszapfen, Stromkabel ragen aus dem Beton, mannsgroße Löcher im Kai, Nachts nur mit einer Taschenlampe sicher zu begehen. Und alles randvoll mit kleinen Booten der Einheimischen, die weder die Marina Instand halten, noch was bezahlen und den übrigen Seglern den Platz verweigern. Bezahlt wurde aber alles mit EU Geldern. Das ist es was mich an den Griechen unheimlich ärgert, wenngleich ich sie inzwischen in mein Herz geschlossen habe. Was ich Ihnen aber immer wieder ankreide, ist ihre Schlampigkeit und ihr frevelhafter Umgang mit ihrer Umwelt.


21.Mai 2014

 

In der Südbucht Maratho vor Anker.

 

22.Mai 2014

 

Vor Anker in der Bucht Kagio.

 

23.Mai 2014

 

Am Fährhafen in Diakopthi wurden wir von der Hafenpolic wieder verscheucht und mußten in die Bucht vor Anker gehen. Im Nachhinein ganz gut, der Kai war dermaßen scharfkantig mit Kieselsteinen betoniert, dass das unsere Fender bestimmt nicht überlebt hätten. Der Platz aber, der für Yachten vorgesehen ist, war von einem rostigen Baggerschiff belegt. Mitternacht Anker auf mit Kurs auf die 70 sm entfernte Insel Milos. Wieder nur zwei Stunden guten Wind, 6 Kn über Grund, Rest unter Motor.

 

24.Mai 2014

 

11:00 UHR Vormittag noch 12 sm bis Milos. Auf See angehalten, gebadet, rasiert, geduscht und Wäsche

gewechselt, dazu eine Hühnersuppe als Frühstück.

 

25.Mai 2014

 

Gegen 09:30 von Milos ausgelaufen. Bis zu der schmalen Durchfahrt zwischen Milos und der Insel Kimolos habe ich gesteuert. Durchfahrt 16 – 20 Meter, Wassertiefe ohne Probleme passiert. Danach das Ruder Heinz übergeben und etwas Schlaf in der Koje nachgeholt. Nach der Durchfahrt kommt nochmals ein Riff, gut sichtbar über Wasser, umgeben von mehreren Untiefen. Heinz hat das Riff auf der 20 Meterlinie am Plotter umfahren, die Logge zeigt 20 – 22 Meter? Die Geschwindigkeit ca. 4 Knoten als ich durch einen lauten Rums aufwache und an Deck stürze. Das Boot um 50 Grad versetzt und ohne Fahrt. Als erstes wieder runter, die Bodenbretter von der Bilge entfernen und die Kielbolzen überprüfen. Kein Wassereinbruch, alles trocken. Nach den ersten Schreckminuten notiere ich mir die Koordinaten .


Wir beschließen die Insel Folegandros anzulaufen, um dort zu tauchen und evtl. Schäden am Unterwasserschiff  festzustellen, gehen dann aber doch in den kleinen Fährhafen um dort mit Buganker anzulegen. Ich schätze die Entfernung verkehrt und verhungere an meiner voll ausgefahrenen Ankerkette 4 Meter vorm Kai. Heinz holt den Anker auf, sieht mich verwundert an, die Winsch tut keinen Mux mehr. Ich verhole die 50 Meter Kette per Hand und fahre ein neues Manöver, mir ahnt Schlimmes.

 

Also den Hondagenerator anschmeißen und hoffen, dass sich die Batterien nicht ganz entleert haben. Erst einmal eine Taverne suchen und ein paar Bierchen und ein gutes Essen. Lange brauchen wir nicht danach suchen, denn es gibt nur zwei Tavernen.

 

Mir schmeckt weder das Bier noch das Essen, meine Gedanken sind bei meiner Ankerwinde und am Unterwasserschiff. Heinz versucht mich etwas aufzuheitern, was ihm erst wieder gelingt, als wir an Bord gehen. Heinz hat die Fernbedienung der Ankerwinde ganz kurz getätigt und freudestrahlend berichtet, dass sich die Winde etwas bewegt hat, zumindest aber ein Geräusch von sich gegeben hat. Etwas ruhiger und noch ein Bierchen begebe ich mich in meine Koje und schlafe bis Morgen 07:00 UHR durch.

Montag 26.Mai 2014

 

Passieren soeben Santorin bei guten Wind und 5 Knoten Fahrt und entschließen uns, weiter zu segeln, den guten Wind zu nutzen und die Insel Skaladstypalion, oder so ähnlich, schwieriges Wort, finde es auch später nicht mehr auf der Navionic Card.


Dienstag 27.Mai 2014

 

06:30 UHR, verschlafen suchen wir hinter der Mole einen Platz zu bekommen, keine Change, alles belegt, außerdem müßte ich wieder die Kette per Hand ausfahren, so gehen wir also längseits vor der Mole. Machen uns etwas frisch , ohne zu frühstücken verlassen wir wieder den etwas ungastlichen Ort und nehmen Kurs auf die etwa 20 sm entfernte und unbewohnte Insel Syrna .Langsam fahren wir in die immer enger werdende Bucht , links und rechts steile Felsen , aber Glasklares Wasser . Bei 9 Meter setze ich den Anker per Hand , himmlische Ruhe , nur das meckern von einigen wilden Ziegen ist zu hören. Versäumter Schlaf wird nachgeholt . Ausgeruht machen wir uns einen Kaffee für die Nacht und zum Abendbrot gibt es Spaghetti mit Tunfisch . Gegen 21:00 UHR Anker auf , Kurs Rhodos Nord, Entfernung ca. 76 sm

Mittwoch 26.Mai 2014

 

13:30 passieren die Nordspitze von Rhodos, telefoniere mit Kati und Gerd, um zu fragen, wie und wo am besten in der Türkei einklarieren. Zufällig befinden sich die Beiden auf der Ostseite von Rhodos und werden in 3-4 Stunden in eine zuvor telefonisch bestellte Marina einlaufen. Die Liegeplätze sind , wenn überhaupt welche vorhanden, unbedingt telefonisch vorab zu reservieren. Sie raten uns ab, ohne Reservierung den Hafen anzulaufen. Wir haben auch keine Lust, Stunden damit zu verbringen, um einen Liegeplatz zu bekommen und so entschließen wir uns nochmals an die 70 sm die Nacht bis nach Kas durchzufahren.

 

Donnerstag 29.Mai 2014

 

Morgens um 06.30 in der Marina Kas von freundlichen Marinieros empfangen die mir einen guten Liegeplatz zugewiesen haben. Ein derartiges Festmachemanöver habe ich in meinem ganzen Seglerdasein noch nie erlebt. Zwei Marinieros kamen mir im Dingi entgegen und fragten nach einer Festmacherleine, warum , Ihr werdet doch eine Muring haben fragte ich erstaunt. Ja ja, wir mach Sie an der Muring fest. Er übernahm also meine Festmacherleine, fuhr mit Karacho zurück an den Steg, pickte dort einen Karabinerhacken an die Muringleine und fuhr mit Volldampf wieder raus, sodass die Muscheln an der Leine hoch in die Luft flogen, verband meine Festmacherleine mit der Muring und hievte sich von seinem Dingi auf mein Boot, wo er es an der Klampe fest machte. Wieder runter in sein Schlauchi und mit Volldampf an den Steg , wo er die Achterleinen in Empfang nahm.


Die einzige Arbeit die ich zu machen hatte, war rückwärts an den Steg zu fahren und die Achterleinen in Empfang zu nehmen, die aber hat er auch noch übernommen und festgemacht. Tolle Arbeit von den Burschen. Die Marina selbst vom Feinsten, alles fast klinisch sauber, in den Duschräumen und Toiletten sogar Klimaanlage. Die Anlage gepflegt, viel Rasen, schöner als meiner Zuhause. Blumen und Palmen überall, zwei nette Restaurants, Waschsalon der die Wäsche fertig an Bord zurück bringt und das für 10€.


Die Anmeldeformalitäten und Einklarierung waren innerhalb einer 1/2 Stunde erledigt, das Personal überaus freundlich und hilfsbereit. Kas selbst ist zu Fuß in einer Viertelstunde erreichbar und hat alle Einkaufsmöglichkeiten. Geholfen hat mir Sevda, eine Türkin die dort kennengelernt habe. Sie hat mich überall hingeführt wo es den Metzger, das beste Restaurant, den Handyladen und vieles mehr gibt. Hier werde ich es bestimmt noch ein Jährchen aushalten .

 

Zurückgelegte Strecke von Korfu bis Kas: 687 Seemeilen

Gesamtloggestand : 6087 Seemeilen

 

 

 10.Juni 2014

 

Um 09:00 zur Tankstelle volltanken. Auch hier hat das Marinapersonal wieder beim Ablegen und Anlegen an der Tanke geholfen und die Muring los gemacht. 09:30 ausgelaufen, Wind aus West, also genau gegenan, kurz vor Kalkan hat er sich dann etwas gesteigert auf 17 Knoten. Ganz hinten in der Bucht den Anker auf 8 Meter und ca. 25 Meter Kette gesteckt und danach getaucht, Anker hat sich gut eingegraben.


Mit mir liegen derzeit noch 5 Gulets und ein Deutscher Segler. Algen mit einem Kettenhandschuh vom Rumpf gereinigt und etwas geschlafen.Loggestand 14 sm ( Gesamtlogge 6102 sm ) Wassertemperatur fast 28 ° Bis Sonnenuntergang kamen nochmals an die 10 Gulets an. Einer davon ein blutiger Anfänger , der ungefähr 10 mal vergeblich versuchte den Anker zu setzen. Eine Mannschaft vom Nachbarn hat sich dann erbarmt und den Anker ausgebracht, was ich aber nicht beobachtet habe,war dass sie die Kette genau über meine Ankerkette legten.


Wie gewohnt stehe ich am nächsten Morgen sehr früh ( 06:00 UHR ) auf, alles ringsherum schläft noch. Ich starte den Motor, begebe mich an die Ankerwinde und hol auf. Alles läuft normal bis der Motor der Winde immer langsamer wird. Bitte nicht schon wieder. Ich gebe der Winde eine Minute Zeit um sich zu erholen und sehe über den Bug, da hängt irgend etwas daran, genau kann ich es aber nicht erkennen. Taucherbrille raus und runter tauchen. Da hängt doch tatsächlich ein ca. 80 kg schwerer Stockanker von diesem Chaoten daran. Meinen Anker im Wasser zu befreien ist unmöglich, also wieder rauf auf’s Boot und den Anker wieder auf Grund fallen lassen um das Gewicht los zu werden.

 

Dann beginne ich laut zu pfeifen und rufe Mustafa, das hatte ich nämlich am Abend zuvor noch mitgekriegt, dass der Typ Mustafa heißt. Nach einer unendlich langen Zeit erscheint der Typ endlich verschlafen an Deck und sieht mich saublöd an, zuckt mit den Schultern und verschwindet wieder. Nun versuche ich durch Vor- und Rückwärtsfahren mich von dem Anker zu befreien. Ich versuche es nochmals und fahre im Kreis um den Anker und kann mich tatsächlich davon endlich befreien.

 

Mustafa müssen wohl heute noch die Ohren klingeln von meinen bayerischen Schimpfwörtern die ich lauthals zu ihm rüber gerufen habe. Du ”gschruppte Wuidsau” war noch eines der harmlosesten Schimpfwörter. Mann war ich etwas von erleichtert als die Bucht langsam am Horizont verschwand. Die Überfahrt nach Gemiller Reede war dann auch sehr rauh, Wind von vorne mit 18 Knoten und eine alte Dünung von guten 2 Metern direkt von Backbord. Die Bucht mit ausgelegten Bojen, der Wirt holt einem ab in seine Kneipe. Das Essen jedoch sündhaft teuer und nicht zum genießen. Die Kneipe selbst zusammengezimmert aus alten Paletten und Treibholz.


Loggestand : 6134 Seemeilen

 

12.Juni 2014

 

Um 14:00 Uhr in der Bucht Ekincik Koyu nach endloser Suche nach dem verflixten Bozburun. In der Karte mit Bozburun angegeben , heißt aber seit neuesten Yesilova. Bin auf und abgefahren, nichts, weit und breit Bozubrun, ich hab schon an meinen Navigationskenntnissen gezweifelt, bis ich dahinter kam, dass ich den Sendeturm statt den Hafen angelaufen bin, der noch einige sm hinter Marmaris liegt. Frustriert bin ich dann in die Bucht von Ekineck Koyu, wollte dort Ankern und finde am Ende der Bucht eine kleine, aber pickfeine Marina. Kosten für 70 TL / Tag, Strom und Wasser kostenlos, mit einem bezaubernden Restaurant, wo ich es mir heute gut gehen lasse, nachdem ich gestern in der Reede Gemiller den scheußlichsten Oktopus meines Leben gegessen habe.

Gestern im Restaurant zu Abend gegessen, Steak mit einem Glas Wein und eine kleine Vorspeise hat mit 90 TL die Bordkasse ganz schön strapaziert. War aber sein Geld wert, aufmerksame Kellner, wunderbarer Ausblick über die Bucht. Waschraum und Dusche sind nur mit Japanischen Holzpantoffel zu betreten, alles blitzsauber.

 

13.Juni 2014

 

Mittags 12:00 UHR, fehlt nur noch 13:00 UHR, wo man doch niemals am 13 ten, schon gar nicht am Freitag, den 13. ausläuft. War aber eine gemütliche Überfahrt, sogar noch eine Stunde unter Segel. Die  Umgebung von Marmaris ist sehr schön, Pinien stehen dort bis ans Ufer. Die Stadt Marmaris selbst grauenhaft, Hunderte von Gulet’s am Pier, ein Restaurant an dem anderen, Touristen en Hauf. Die Netsel Marina Marmaris liegt aber dennoch sehr schön in der Altstadt nah an einer Festungsruine. In der Marina geht es sehr eng zu. Den ersten mir zugewiesenen Platz muß ich wieder verlassen, da die Muring nur noch an ein paar Fäden hing. Also wieder raus, den nächsten Steg, der dann sehr günstig direkt vor den Duschen und Toiletten liegt, zum Marineoffice auch nur ein paar Meter. Jetzt ein Effes, dann Christian anrufen, die Arbeit beginnt.

 

Loggestand: 6198 Seemeilen

 

Die Marina und die Stadt gefallen mir nicht, viel zu laut, Discomusik bis in den frühen Morgen, die Leute und auch das Marinapersonal unfreundlich. Protzige Meggayachten, heiß und stickig . Kein Vergleich mit der Marina in Kas , wo jeder grüßt und freundlich ist . Die Monteure allerdings allererste Sahne. Keiner geht mit Schuhen aufs Schiff, saubere Arbeit zu akzeptablen Preisen, was man in der Kas Marina wieder nicht behaupten könnte.

 

Der Motormonteur hat mindestens 5 Stunden ohne Pause gearbeitet und zum Schluß nochmals alle Verbindungen und Kabel akribisch überprüft. Morgen bekomme ich noch 20 Meter Ankerkette. Hier in der Türkei sind 50 Meter einfach zu wenig. Christian, ein Murnauer der seit 25 Jahren in der Türkei lebt, hat alle Werkstätten und Monteure in Griff und koordiniert die ganzen Arbeiten. Christian ist sein Geld wert, alleine schon wegen der Verständigung mit den verschiedenen Werkstätten.

 

Die Ankerwinde wurde erneut ausgebaut und in der Werkstatt zerlegt. Im Getriebe ist eine Achse auf der ein Scheibenkugellager läuft. Der Bolzen ist aus Niro und dadurch zu weich. Es haben sich Längsrillen auf dem Bolzen gebildet, dadurch auch das laute Geräusch. Abhilfe wäre nur durch einen Ersatz aus gehärteten Stahl möglich. Ich werde das Teil mit nach München nehmen, Heinz hat gute Beziehungen zu der Firma Burger im Schwarzwald, mal sehen was die dazu sagen.  Des weiteren hab ich den Verbindungssalat der Dieselfilter entwirren lassen, die ich in Korfu einbauen hab lassen. Der Bypassfilter war so nah am Ölfilter angebracht, dass ein Ölwechsel nur mit Brachialgewalt möglich war. Ein neuer Keilriemen wurde aufgezogen und der Wärmetauscher auf Verkalkung überprüft, neue Dichtungen eingesetzt und dabei festgestellt, dass der Auspuffkrümmer total durchgerostet war und demnächst seinen Geist aufgeben würde. Bei der Ankerwinde die lästigen Sicherungen gegen einen Sicherungsautomat ausgetauscht. Die Halterung für den Außenborder erneuert , da hatte ich ein in die Jahre gekommenes Verschalungsbrett montiert. Die neue Halterung ist nun aus Kunststoff und trägt nicht mehr so auf, außerdem sieht es jetzt viel besser aus.

 

Und was mich am meisten freut, Christian hat doch tatsächlich die kaputte Halterung für den Klodeckel aufgetrieben, ohne dass ich einen komplett Neuen kaufen mußte .Das hat mich so was  von genervt, vor allem als mir durch offene Klo der Scherkopf vom Rasieraparat in die offene Schüssel gefallen ist, konnte ihn gerade noch so herausfischen, hätte ansonsten die ganze Toilette zerlegen müßen.

 

Morgen kommt Christian mit den 20 Metern Ankerkette und montiert sie auch. Er hat dies mit großer Sorgfalt ausgeführt. Meine Bedenken das die Verlängerung mit einem sogenannten Notglied  gemacht wurde entgegnete er damit , dass er in seiner früheren Tätigkeit bei einer Charterfirma bestimmt an die 30 Verlängerungen angebracht hat und noch nie etwas passiert wäre. Eine regelmäßige Überprüfung ist natürlich Pflicht. Ich denke ebenfalls das es schon ganz schön blasen müsste wenn ich einmal gezwungen bin, volle 50 Meter Kette zu stecken, wenn ja, kann ich ja ab 50 Meter die restlichen 20 Meter mit einer zusätzlichen Kette und Schäckel sichern.

 

Gestern hat mich nochmals Paul und Eva, ein Paar aus der Schweiz zu sich nach Hause eingeladen um das Fußballspiel anzusehen . Paul und Eva haben eine 36er Bavaria und eine Ferienwohnung in Marmaris.

Dienstag 17.Juni 2013

 

Gehe am Spätnachmittag vor Anker nach 19 sm in der Bucht von Ekincik, östlich von Marmaris. Hier war ich ja schon bei der Hinfahrt nach Marmaris, allerdings in der pikfeinen Marina deren Besitzer ein Amerikaner ist. Die Liegegebühren gerade einmal 20 €, aber im Restaurant langen sie kräftig zu und erwarten natürlich dass man Abends zu Essen kommt .


Auf 7 Meter mit ca. 35 Meter Kette liege ich bei mäßigen Schwell ganz gut. Während ich meine Eintragungen im Logbuch führe, taucht neben mir eine Schildkröte auf mit einem Durchmesser von bestimmt 80 Zentimetern. Bis ich den Fotoaparat hole ist sie schon wieder abgetaucht. Hier bleibe ich heute und koche mir Abends Spaghetti Carbonara.

Loggestand: 6217 Seemeilen

 

18.Juni 2014

 

Nach 6 Stunden Fahrt an einer Boje in Gemiler Ad festgemacht. War eine eckelhafte Fahrt, emense Dünung querab und der Wind zu schwach das die Genua stehen bleibt. Entnervt die Genua wieder runter und die 35 sm unter Motor gefahren. Für einen mit einem empfindlichen Magen wäre das heute eine Tortour gewesen.

Werde heute mal einen Fisch essen, den müßten die doch hinbekommen, nachdem der Besitzer Fischer ist.


Der letzte gegrillte Oktopus war ein schlangenähnliches Gebilde, blas wie eine Leiche die in einer Essigpampe schwamm. Die Pommes so was von lätschert, haben sich auf der Gabel von alleine gekrümmt wie ein Regenwurm. Der Katze hat er allerdings geschmeckt und sie hat ihn razeputz aufgefressen.

 

Loggestand: 6251 Seemeilen

 

19.Juni 2014 wieder in Kas Marina

 

Diesel aufgefüllt, ca 40 Liter. Liege wieder neben den Russen auf Steg F 23. Ursprünglich wollte ich ja noch bis Ende Juni bleiben, nachdem aber meine Mutter schwer erkrankt ist, habe ich mich entschlossen lieber noch den Sommer in München zu verbringen, bei Biergartenwetter und Schweinsbraten im Franziskaner.

 

Gesamt zurückgelegte Strecke von Korfu bis Kas – Marmaris und zurück: 892 Seemeilen

Kas

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